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„Chronische Aktionitis“ bei hochwertigen Lebensmitteln muss gestoppt werden

Bauernbund Bezirksobmann-Stellvertreter Florian Obermayr (v.li.), Abg.z.NR Klaus Lindinger, ÖkR Jakob Auer (ehem. BB-Präsident, langjähriger Abgeordneter) und BB-Ortsobmann Josef Lindinger machten gemeinsam mit ihren Standeskollegen auf den enormen Preisdruck in der Landwirtschaft – speziell am Milchsektor – aufmerksam. Im Gespräch mit den Konsumenten zeigte sich, dass das Verständnis und die Unterstützung da sind! (Fotos: BB Wels-Land)

Am 26. Februar 2020 machten sich rund 80 Bäuerinnen und Bauern im Bezirk Wels-Land auf den Weg, um auf ihre dramatische Einkommenssituation – speziell im Milchsektor – aufmerksam zu machen. Ihnen geht es einerseits um mehr Wertschätzung für ihre landwirtschaftlichen Produkte und damit ihrer täglichen Arbeit mit der Natur. Andererseits wollen sie auf die „Rabattschlachten“ der Lebensmittelketten und den damit verbundenen Preisdruck aufmerksam machen. Bei der Milch ist es Faktum, dass der Preis für die Bauern seit über 20 Jahren fast gleich ist. Und das bei immer höheren Qualitäts-, Umwelt- und Tierwohlstandards. Den Preis für diese höhere Qualität zahlt seit langem der Bauer. Über 1000 Milchviehbetriebe haben im letzten Jahr aufgegeben.

Der Österreichische Bauernbund hat gemeinsam mit den Bauernbund Länderorganisationen Kundgebungen auf die Beine gestellt. Im Bezirk Wels-Land haben sich die Bäuerinnen und Bauern vor zwei SPAR Filialen –in Sattledt und in Stadl-Paura – eingefunden.

„Das Entgegenkommen bei den Preisverhandlungen für die Milch ist seitens SPAR ÖSTERREICH ausgeblieben. Während der Konzern eines der besten Ergebnisse seiner Firmengeschichte schreibt, sollen die heimischen Landwirtinnen und Landwirte ihre Milch zum Niedrigstpreis ‚verschleudern‘!“, äußert Klaus Lindinger, Abgeordneter zum Nationalrat und Landwirt, sein Unverständnis – speziell zur Vorgangsweise von SPAR ÖSTERREICH.

Regionalität muss mehr sein als ein Werbeslogan

Die Forderungen des Bauernbundes richten sich grundsätzlich an alle Handelsriesen. Immerhin sind fast 90 % des gesamten Lebensmittelhandels in der Hand von nur drei Unternehmen, die Übermacht daher erdrückend. Sie stellen sich mit ihren Verhandlungstaktiken gegen die heimischen Bauernfamilien und somit gegen die nachhaltigste Form der Landwirtschaft. Die Forderungsliste des Bauernbundes beinhaltet faire Preise für die landwirtschaftlichen Produkte, einen Stopp der „überbordenden Aktionitis“ auf Kosten der Verarbeiter und Produzenten, einen Regionalbonus auf heimische, nach höchsten Standards produzierten Lebensmittel und ein Ende der Konsumententäuschung mit den rot-weiß-roten Fähnchen.

Bauernbund-Bezirksobmann Leopold Keferböck fordert gemeinsam mit den Spitzen des Bauernbundes Oberösterreich ein Umdenken des Handels: „Wir stehen heute vor zwei SPAR-Filialen, weil sich gerade SPAR Österreich trotz der bäuerlichen Bemühungen bei den Verhandlungen im Milchsektor gegen die Bauernfamilien entschieden hat und sich sogar, wie in Tageszeitungen zu lesen war, mehr Dankbarkeit seitens der Bauern erwartet!“, sagt BB-Bezirksobmann Leopold Keferböck.

Bauernbund-Bezirksobmann Leopold Keferböck wird bei seiner Forderung für faire Preisverhandlungen von rund 40 Bäuerinnen und Bauern aus Wels-Land unterstützt.

„Unsere Kundgebung im Bezirk ist ein Signal gegen die unsägliche Preispolitik von SPAR. Mit dem ständigen Druck wird nicht nur unsere nachhaltige, familiengeführte Landwirtschaft massiv bedroht, auch werden die Perspektiven für Hofübernehmerinnen und Hofübernehmern gestohlen“, spezifiziert Bauernbund-Bezirksobmann-Stv. Florian Obermayr die Problematik.

SPAR macht die Rechnung ohne die Bauern

Ein Grund für die Protestaktionen ist zudem der steigende Druck auf den Agrarmärkten in einer Zeit, in der gleichzeitig die Standards in der Produktion permanent nach oben geschraubt werden. „Die positive Entwicklung in Teilsparten der Landwirtschaft kann mehr als zehn Jahre stagnierender oder sinkender Einkommen nicht kompensieren“, sagt Bauernbund-Landesobmann Landesrat Max Hiegelsberger. Auch bei der Bewältigung des Klimawandels kommt den Bauernfamilien eine bedeutende Rolle zu. „Die heimische Landwirtschaft ist Teil der Lösung und nicht das Problem. Das muss auch der Handel erkennen und honorieren. Stattdessen kommt zusätzlich noch ein enormer Preisdruck von Abnehmerseite dazu. Da Gespräche leider nichts gebracht haben, müssen wir zu entsprechenden Maßnahmen greifen um die Menschen aufzuklären“, sagt der OÖ Bauernbundobmann.

Die Konsumentinnen und Konsumenten zeigen im Gespräch viel Verständnis.

An Mitarbeiter und Konsumenten wurden vor Ort Informationen verteilt, da es nicht darum geht zu jammern, sondern auf die Einkommenssituation auf den Höfen aufmerksam zu machen.

Geordnet und ohne Blockade gingen die Kundgebungen über die Bühne

Forderungen des Bauernbundes:

Stoppt die „überbordende Aktionitis“ der Handelsriesen

Mehr Leistung, mehr Auflagen und mehr Fleiß für weniger Geld geht sich nicht aus. Das spüren Bauern wie lebensmittelverarbeitende Unternehmen. Aktuelle Zahlen zeigen, dass lediglich 9,7 % des Haushaltseinkommens durchschnittlich für Lebensmittel ausgegeben werden. Dem Bauernbund geht es nicht um eine Verteuerung von Lebensmitteln, sondern darum, dass der Handel die Margen weitergibt. Rund 150.000 bäuerliche Betriebe stehen wenigen Handelsriesen gegenüber. Die Erzeugerpreise stagnieren oder sinken, während SPAR in einem Jahr 352 Mio. Euro Gewinn verzeichnet.

Ende der „Rot-weiß-rote Fähnchen“ auf ausländischen Produkten

Unseriöse und irreführende Spielchen mit dem rot-weiß-roten Fähnchen auf Lebensmitteln aus dem Ausland müssen beendet werden. Eine praxistaugliche Umsetzung der Primärzutatendurchführungsverordnung in Österreich, wie sie auch im Regierungsprogramm vorgesehen ist, muss umgesetzt werden.